Todenhöfer trägt eine ziemlich enge Lederjacke, an der Schulter baumelt eine Umhängetasche, auf der steht: "Share Your Happiness". Es ist der Titel seines vorletzten Buches, einer Mischung aus Autobiografie und moralischem Leitfaden. Einer der Ratschläge aus dem Buch, womöglich der wichtigste, lautet: "Denke mit dem Herzen." Todenhöfer wirkt gerade, als würde er genau das tun. Er lächelt, seine Stimme summt, er federt in den Knien wie Schmidtchen Schleicher. Er treibt, auch das eine Vorgabe aus seinem Buch, jeden Tag anderthalb Stunden Sport. Oft auf der Tretmühle in einem Münchner Fitnesscenter, da hat er auch den Koran gelesen.
Jürgen Todenhöfer mag Geburtstage nicht, sagt er, aber sie helfen ihm doch, Ordnung in ein aufregendes Leben zu bringen, in dem Länder, Revolutionen und Jahreszahlen ineinanderlaufen.
Er hat als Richter in der Pfalz begonnen, war 18 Jahre Bundestagsabgeordneter der CDU, dann noch mal 18 Jahre stellvertretender Vorstandschef des Burda-Konzerns, richtig los ging es aber erst im Rentenalter. Im vergangenen Jahr lag Todenhöfer mit seiner Assistentin Julia Leeb am libyschen Straßenrand stundenlang unter Beschuss von Gaddafis Soldaten, in diesem Jahr interviewte er den syrischen Diktator Assad. Alles läuft immer schneller, je älter er wird.
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